Die eigene Stärke finden
Viele körperliche Verspannungen resultieren aus dem Gefühl, „nicht gut genug" zu sein oder unter ständigem Leistungsdruck zu stehen. Wir lösen die alten emotionalen Prägungen und die emotionale Erschöpfung auf, die Sie zurückhalten, und schaffen Raum für ein gesundes, authentisches Selbstvertrauen.
„Du lässt Dich schon wieder ausnutzen", sagte die Freundin zu Ulrike, nachdem sie ihr geduldig zugehört hatte. „Ja, ich weiß", entgegnete diese. So häufig hatte sie probiert, etwas anders zu machen. Aber sie konnte langfristig nie wirklich etwas verändern, egal wie gut die Ratschläge waren, die man ihr gab.
Mehr erfahren„Mit dem Kopf verstehe ich das auch, aber wenn ich dann wieder in so eine Situation hineinkomme kann ich einfach nicht Nein sagen", dachte sie. Das Leben war nicht so, wie Ulrike es sich wünschte. Viel zu häufig hatte man ihre Gutmütigkeit ausgenutzt, viel zu häufig hatte sie den Interessen anderer nachgegeben und ihre eigenen dabei verleugnet.
Manchmal fühlte sie sich wie ein Gespenst, sie war zwar da, aber irgendwie nicht lebendig. Komplimente jeglicher Art prallten stets an ihr ab. War da eine Absicht, einen Zweck, den ihr Gegenüber mit diesen Bemerkungen verfolgte? Wollte man sie vielleicht sogar auf den Arm nehmen?
Ulrikes Selbstzweifel strahlten in alle Bereiche ihres Lebens aus. Beruflich verkaufte sie sich unter Wert obwohl ihre Kollegen ihr versicherten, dass sie eine ausgezeichnete Arbeit machte. Eine glückliche und langfristige Bindung zu einem Mann hat sie niemals aufbauen können. Ulrike war eine hübsche Frau, die bei dem Blick in den Spiegel jedoch kaum etwas Gutes an sich entdecken konnte.
Als Kind wurde Ulrike von der Mutter einiges abverlangt. „Augen zu und durch", war die Devise. Da ihre Mutter selbst in der Misere des zweiten Weltkrieges getrennt von ihren Eltern auf einem Bauernhof aufgewachsen war, hatte sie nie gelernt, was es heißt, wirkliche Zuneigung zu erfahren. Stattdessen lernte sie, zu funktionieren und gab diese Angewohnheit leider an ihre Tochter weiter. Ihr gegenüber konnte sie nur selten Zuneigung zeigen, und wenn es einmal dazu kam, musste Ulrike schon Außergewöhnliches vollbracht haben.
So hatte sie leider niemals das Gefühl vermittelt bekommen, ein liebenswertes Kind zu sein. Der fehlenden Liebe rannte sie ein Leben lang hinterher. Egal, ob es eine Freundin, der Partner oder der Chef auf der Arbeit war, stets agierte sie aus der Position der emotionalen Bedürftigkeit heraus. Das wiederum führte zu Abhängigkeit. Zudem fiel es ihr schwer, sich abzugrenzen und für sich selbst und ihre Interessen einzutreten. Wie könnte sie sich für sich selbst einsetzen, wenn ihr Selbstbild so negativ war?
Es kam der Punkt, an dem Ulrike beschloss, dass sich etwas in ihrem Leben verändern musste. Sie hatte beschlossen, nicht mehr wie ein Stückchen Treibholz auf dem Fluss des Lebens hin- und hergeworfen und irgendwo angespült zu werden. Sie hatte beschlossen, dass sie in Zukunft ihr Boot auf diesem Fluss selber steuern würde. Sie beschloss, sich auf ihrem Weg helfen zu lassen.
Selbstwert ist der Wert, den wir uns selber zuschreiben. Das Selbstwertgefühl entspricht unserem gefühlten Selbstwert. Das Selbstwertgefühl ist in starkem Maße davon abhängig, welches Gefühl uns von unseren Eltern während der Kindheit vermittelt wurde. Doch auch später im Leben auftretende Ereignisse und Gefühle haben einen Einfluss darauf, ob wir uns selbst einen gesunden Wert zuschreiben oder nicht.
Das Selbstwertgefühl ist eng mit der Selbstwirksamkeit verknüpft. In der Regel wird durch die Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit „ich kann" das Selbstwertgefühl „ich bin" gestärkt.
Mehr erfahrenMenschen mit einem mangelndem Selbstwertgefühl können ihre Leistungen nicht anerkennen, sondern bagatellisieren ihre Erfolge: "das hätte jeder geschafft". Dadurch betrügen sie sich selbst um das gute Gefühl.
Leider hat der Verstand keinen Einfluss darauf, ob wir unsere Leistungen anerkennen können oder nicht. Unser Selbstwertgefühl entscheidet darüber. Ist es gesund, können wir uns selbst annehmen, uns adäquat abgrenzen und unsere Erfolge anerkennen. Weist es Defizite auf, dann fällt es uns schwer, uns selbst oder andere zu lieben, Nein zu sagen oder Erfolge anzuerkennen. Kurzum: hat jemand zu sich selbst kein positives sondern ein negatives Gefühl, kann dieser das Gute nicht annehmen, weil es konträr zu seiner eigenen Wahrnehmung ist.